Grundkonzept: Heterojunction zwischen kristallinem und amorphem Silizium

Die Heterojunction-Technologie (HJT, auch HIT — Heterojunction with Intrinsic Thin Layer, Panasonic-Markenname) basiert auf der Kombination von einkristallinem Silizium (c-Si) als Absorber mit beidseitig aufgebrachten amorphen Siliziumschichten (a-Si:H). Diese Struktur erzeugt hocheffektive Passivierungsgrenzflächen und erlaubt symmetrische Bifazialität — ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Zellkonzepten.

Schichtaufbau im Detail

Der vollständige Schichtaufbau einer HJT-Zelle lautet (Vorder- zu Rückseite):

Die intrinsischen a-Si:H(i)-Schichten sind der Schlüssel zur Passivierungsqualität: Sie sättigen Dangling Bonds (DB) an der c-Si-Oberfläche mit Wasserstoff, was eine Interface-Defektdichte Dit < 10¹⁰ cm⁻²eV⁻¹ ermöglicht und Voc-Werte von 740–750 mV erlaubt.

TCO-Schichten: ITO vs. AZO

Transparente leitfähige Oxide (TCO) erfüllen zwei Funktionen gleichzeitig: optische Transparenz (Transmission > 90 % bei 400–1100 nm) und elektrische Leitfähigkeit (Schichtwiderstand < 80 Ω/sq). Indium-Zinnoxid (ITO, In₂O₃:SnO₂) ist der Standard, weist aber Probleme mit Indium-Verfügbarkeit und -preis auf. Aluminium-dotiertes Zinkoxid (AZO) ist eine kostengünstigere Alternative mit leicht schlechterer Stabilität gegenüber Feuchtigkeit. Die Abscheidung erfolgt durch Magnetron-Sputtern bei Raumtemperatur — ein Niedrigtemperaturprozess, der die a-Si:H-Schichten nicht schädigt.

Temperaturverhalten: Der entscheidende Vorteil

HJT-Module zeigen den besten Temperaturkoeffizienten aller kommerziellen Solarzellentechnologien: Tk(Pmpp) = −0,24 bis −0,27 %/K, verglichen mit −0,35 bis −0,40 %/K bei PERC/TOPCon. Bei einer Modultemperatur von 70 °C (δT = 45 K über STC) berechnet sich der Vorteil für ein 420-Wp-Modul:

Ein HJT-Modul liefert bei 70 °C ca. 22,7 W (6,5 %) mehr als ein äquivalentes PERC-Modul. In heißen Klimazonen (Mittelmeer, Nahost) ist dieser Vorteil erheblich.

Bifazialität bei HJT

Da HJT-Zellen symmetrisch aufgebaut sind, erreichen sie einen Bifazialitätsfaktor von 93–98 % (verglichen mit 75–85 % bei PERC-bifazial). Das rückseitige TCO ermöglicht eine nahezu uneingeschränkte Lichtsammlung. Bei einer Albedo von 0,2 (Asphalt) und einem optimierten Aufständerungsabstand ergibt sich ein Mehrertrag durch Bifazialität von 5–8 % für HJT vs. 4–6 % für PERC-bifazial.

Effizienzrekorde und kommerzielle Verfügbarkeit 2025

Schwächen: Indiumabhängigkeit und Prozesskosten

HJT-Produktion ist kapitalintensiver als PERC oder TOPCon: Die Sputteranlagen für TCO, die PECVD-Systeme für a-Si:H und die Anforderungen an Niedertemperatur-Siebdruck erhöhen die CAPEX. Der Silberverbrauch bei Low-Temperature-Pasten ist höher als bei HT-Pasten. Außerdem führt die Indium-Abhängigkeit (ITO) zu geopolitischen Risiken — Indium ist eine kritische Ressource, 70 % der Weltproduktion kommen aus China.

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Stand der Technik 2026

TOPCon-Module erreichen aktuell 22,4 % Modulwirkungsgrad zu Großhandelspreisen um 92 ct/Wp. HJT-Module liegen bei 23,1 % und 1,08 €/Wp. Tandem-Module mit Perowskit-Silizium-Aufbau erscheinen erstmals als Kleinserie ab Herbst 2026 zu etwa 1,80 €/Wp – wirtschaftlich noch nicht relevant für den Endkunden. Wechselrichter-seitig dominieren Sungrow, Huawei, Fronius und SMA mit 95 % Wirkungsgrad nach EU-Norm.

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